Nimm den Druck raus

Wie du wieder Freude am Arbeiten gewinnst – und warum Druck oft das Gegenteil bewirkt.

Die Tage werden länger und freundlicher, und ich habe wieder begonnen, für einen Marathon zu trainieren. Im Herbst möchte ich wieder einen laufen.

Letztes Jahr bin ich meinen ersten Marathon nach einer längeren Pause gelaufen – ohne ambitioniertes Ziel, eher neugierig, wie ich durchkomme. Ich habe locker trainiert, bin gelaufen, wie es sich gut angefühlt hat, und habe mich am Ende über das Ergebnis gefreut.

Dieses Jahr ist etwas anders. Ich ertappe mich dabei, wie ich nach jedem Lauf auf die Zeiten schaue. Auf den Durchschnittspuls. Auf die Pace. Im Hinterkopf hat sich ein Gedanke eingenistet: Nachdem ich letztes Jahr den Marathon gut geschafft habe, könnte ich heuer etwas schneller sein.

Dieses „ich könnte schneller sein“ erzeugt Druck. Nicht das Trainieren selbst – das ist dasselbe wie letztes Jahr. Was sich verändert hat, ist mein Anspruch. Und mit dem Anspruch hat sich das Gefühl verändert, mit dem ich laufe.

Das hat mich nachdenklich gemacht, weil ich dieses Muster kenne – nicht nur vom Laufen.

Druck entsteht durch die Haltung, mit der wir an etwas herangehen

Im Arbeitsalltag erlebe ich dasselbe. Druck entsteht nicht nur, weil objektiv viel zu tun ist. Er entsteht, weil ich mit einer Planung in die Woche gehe, die keinen Spielraum lässt. Weil ich den Tag so vollpacke, dass jede Verzögerung zum Problem wird. Weil ich mir im Kopf ein Pensum setze, das nur aufgeht, wenn alles glatt läuft.

Seit ein paar Monaten halte ich konsequent jeden Tag eine Stunde frei, die ich nicht verplane. Das Ergebnis: Meine Pläne halten. Ich habe nicht weniger zu tun, aber ich habe aufgehört, jeden Tag bis zum Rand zu füllen. Mit dem Puffer habe ich mir mehr Zeit gegeben und damit meinen Anspruch an den Tag verändert.

Und das führt zu Zufriedenheit am Abend. Ich schließe den Laptop und bin zufrieden, weil ich das, was ich mir vorgenommen habe, erledigen konnte. Ich musste nicht von Aufgabe zu Aufgabe, von Termin zu Termin hetzen. Ich kann mir für eine Aufgabe, die mir Spaß macht, etwas mehr Zeit geben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

So ist etwas zurückgekommen, das vorher oft gefehlt hat: Freude am Arbeiten. Die Fähigkeit, mich aus der Sache heraus zu motivieren, statt gegen den eigenen Druck anzukämpfen.

Was sich verändert, wenn ich meinen Anspruch verändere

Vielleicht denkst du jetzt: Das geht nicht überall. Ich muss eine gewisse Menge erledigen. Das stimmt. Niemand ist zu hundert Prozent frei in der Gestaltung seiner Woche.

Aber ich glaube, der Spielraum ist oft größer, als wir denken. Und selbst dort, wo die äußeren Rahmenbedingungen eng sind, bleibt eine Sache, die immer in meiner Hand liegt: meine eigene Haltung. Die Erwartung, die ich an mich selbst richte.

Druck verändert sich nicht durch Disziplin. Er verändert sich, wenn ich mein Verhalten ändere – und damit meine Haltung.

Planungsimpuls

„Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen."
Epiktet (um 50 - 138 n. Chr.) 

Schau dir deinen Plan für die nächste Woche an – nicht die Aufgaben, sondern die Erwartung dahinter.

Wo steckt ein „ich müsste" oder ein „das muss ich noch schaffen", das vielleicht gar nicht von außen kommt, sondern von dir selbst?

Und wenn du magst: Was würde sich ändern, wenn du diesen Anspruch für eine Woche bewusst etwas lockerer hältst?

3×3 Planungsroutine – 3 Schritte, 3 Tools, 30 Minuten

Plane deine nächste Woche in drei Schritten:

 1. Rückblick: Reflektiere die aktuelle Woche mit der 5-Finger-Methode.

 2. Termine: Aktualisiere den Stundenplan für die nächste Woche, nutze Timeblocking.

 3. Aufgaben: Organisiere deine Aufgabenliste mit dem Kanban-Prinzip.