Warum ich nach einem zähen Marathon wieder einen laufen will
Worum es geht: Beim Venedigmarathon habe ich bei Kilometer 27 ans Aufgeben gedacht und das Ziel nach 5:30 erreicht, deutlich langsamer als erhofft. Am Tag danach habe ich mir trotzdem den nächsten Marathon vorgenommen. Dieser Beitrag geht der Frage nach, was mich weiter motiviert, wenn ein Ziel nicht aufgeht, und warum der eigentliche Antrieb weniger mit dem Ziel selbst zu tun hat.
Kilometer 27, irgendwo in Mestre, und ich merke: Das ist nicht mein Tag. Ich denke ans Aufgeben und spüre, wie meine Kräfte schwinden. Vor drei Stunden bin ich motiviert in den Venedigmarathon gestartet, im Kopf noch den Marathon in Florenz vom letzten November. 4:45 bin ich damals gelaufen. In meiner Erinnerung waren das 42 Kilometer, bei denen ich nie das Gefühl hatte, am Ende zu sein. Vielleicht ist meine Erinnerung auch etwas verklärt.
Langsam wird mir klar, dass sich eine Zeit unter fünf Stunden heute nicht ausgehen wird. Meine Motivation schwindet. Liegt es an der Vorbereitung? War ich auf den ersten zehn Kilometern zu schnell unterwegs? Ich grüble und laufe weiter Kilometer um Kilometer. Warum tu ich mir das an? Läufer überholen mich, ich merke, wie ich zurückfalle.
Dann kommt die Brücke nach Venedig. Unzählige Male bin ich mit dem Auto darübergefahren. Erst zu Fuß merke ich, wie lang diese Verbindung ist.
Bei der nächsten Labestation bleibe ich stehen, esse eine Banane, trinke ein wenig und laufe langsam wieder los. Noch gut sieben Kilometer. Es werden lange sieben Kilometer. Im Ziel zeigt die Uhr 5:30. Kein Glücksgefühl wie vor einem Jahr. Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist.
Warum wieder?
Am Tag danach analysiere ich, warum ich so langsam war und warum sich dieser Lauf so anders angefühlt hat als jener in Florenz. Meine Fersen schmerzen, meine Knie, meine Hüftgelenke. Und während ich so vor mich hin grüble, nehme ich mir vor, nächstes Jahr wieder einen Marathon zu laufen.
Ich frage mich, warum. Ist es das Gemeinschaftserlebnis, mit über 10.000 Menschen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen? Ist es das Gefühl, die eigenen Grenzen zu erleben und dabei ganz im Hier und Jetzt zu sein? Eine Erfahrung, die im Alltag selten so unmittelbar spürbar ist.
Es muss mehr sein. Es muss etwas geben, das mich auch nach dieser Erfahrung wieder einen Marathon laufen lässt. Es muss mehr sein als dieses Ziel.
Was passiert zwischen zwei Marathons?
Vielleicht ist es die Lust am Training. Das Ziel, einen Marathon zu laufen, motiviert mich, dreimal pro Woche zu trainieren. Und das Training selbst hat viele positive Nebenwirkungen. Nach fast jedem Trainingslauf fühle ich mich zufriedener als davor. Laufe ich am Morgen, starte ich in den Tag mit dem Gefühl, schon etwas erledigt zu haben. Laufe ich in der Mittagspause, kann ich für 30, 40 Minuten abschalten und gehe mit neuem Schwung in den Nachmittag.
Der Marathon ist nur der äußere Anreiz für diese Trainingsläufe. Der Antrieb fürs Laufen kommt von innen. Es ist ein Ziel, das weiter reicht als bis zum nächsten Marathon: physische und psychische Fitness als Werte, die mir wichtig sind.
Vielleicht ist das dieses Warum, das mich trägt, auch wenn es zäh wird. Auch wenn ich bei Kilometer 27 ans Aufgeben denke.
Planungsimpuls
Wer weiß, warum er etwas tut, bleibt auch dann dran, wenn es zäh wird.
Zwei Fragen für deine Woche:
- Welches Ziel gibt deinen Wochen gerade eine Richtung, und was davon würdest du auch ohne dieses Ziel weitertun?
- Woran merkst du in einer zähen Woche, warum du dranbleibst?
Ein konkreter nächster Schritt: Trag ein, was dich trägt, als feste Termine in deine Wochenplanung ein, etwa Training, Bewegung oder Zeit zum Nachdenken. Mit derselben Verbindlichkeit wie einen Kundentermin. Was einen festen Platz in der Woche hat, wird seltener verschoben.
Nimm dir bewusst 30 Minuten und plane deine nächste Woche in drei Schritten:
- Schritt 1 — Reflektieren: 5-Finger-Methode und Plan-Check · ~10 Min
- Schritt 2 — Planen: 5-Elemente-Stundenplan und Kanban · ~15 Min
- Schritt 3 — Fokussieren: Triple-A-Methode · ~5 Min
Wenn du deine Wochenplanung gemeinsam mit mir anschauen möchtest, klären wir in 30 Minuten deine Fragen zur 3×3-Methode für Zeitmanagement und Selbstführung: Erstgespräch buchen